Das Arbustum: die Verfeinerung eines Bio-Weinbergs

Arbustum of boomwijngaard in Trier, Duitsland

 

Was ist ein Arbustum?

Als im Herbst 2019 viele hölzerne Stützpfosten in unserem Weinberg durch den starken Wind zerbrachen, fragten wir uns: Was wäre, wenn wir unsere Weinreben mit lebenden Bäumen stützen könnten?

Natürlich wirft ein solches Projekt viele Fragen auf, mehr als wir beantworten könnten. Wir starteten unsere Internetrecherche und fanden heraus, dass die Idee von Bäumen als Stütze für Weinreben ein uraltes Prinzip ist, das bereits von den Römern angewendet wurde und als "Arbustum", "Piantata" (Italien) oder "Joualle" (Frankreich) bekannt ist. Damals wurden die Weinreben neben bestehenden Bäumen gepflanzt und wuchsen so über die Äste der Bäume in großen  Höhen. Das machte die Lese der Trauben sehr mühsam und manchmal sogar gefährlich, wie hier dargestellt. 

Das Gemälde "Der Herbst: Weinlese und Blick auf Sorrent, den Golf und die Inseln" von Philipp Hackert (1783)

 

Die Vorteile eines Arbustums

Grund genug, uns genau anzusehen, wie wir dieses System optimieren könnten. Wir entdeckten das 'ARBUSTUM-Projekt', das 2005 im Dorf Ayl bei Trier in Deutschland gegründet wurde. In diesem Projekt wurde ein Versuchsweinberg von der Universität Freiburg und sieben lokalen Weingütern angelegt. Die Auswirkungen von Agroforstwirtschaft auf das Wachstum von Weinreben und Bäumen (Konkurrenz untereinander) wurden untersucht, aber auch die Quantität und Qualität der Ernte analysiert. In diesem Weinberg wurde eine schnellwüchsige mit einer langsamwüchsigen Baumart verglichen, die Pappel gegenüber der Eiche. Während der zweijährigen Forschung wurde festgestellt, dass das Vorhandensein von Bäumen im Weinberg einen positiven Einfluss auf die Wasser- und Stickstoffverfügbarkeit sowohl von Bäumen als auch von Weinreben hatte. Es gab also keine Konkurrenz, sondern Symbiose. Die unterschiedlichen Anbaumethoden führten in diesen beiden Jahren zu keinen signifikanten Unterschieden in der Weinqualität. Die vollständige Studie ist hier erhältlich.

 

Weinbau und Klimawandel

Ein Arbustum erweist sich beim Klimawandel als von großem Wert. Nachdem die Sommer 2019 und 2020 sehr trocken und heiß waren, erwies sich das Arbustum in Ayl als deutlich widerstandsfähiger gegen Ernteverluste durch Sonnenbrand als die umliegenden konventionellen Weinberge, wie Florian Lauer im Video oben beschreibt. Wegen Schattenwirkung, aber wahrscheinlich auch wegen der besseren Wasserverfügbarkeit für die Traube in einem Arbustum. 

Einige Monate später wies uns Pius Floris von Plant Health Cure auf eine Diskussion hin, die mit einem Newsletter von John Kempf von Advancing Eco Agriculture begonnen hatte. John teilte ein Foto (hier beigefügt) und fragte sich, wie das Gras unterhalb der Bäume grüner war als im Rest des Grundstücks. Pius hatte eine plausible Erklärung und zeigte uns ein Stück Baumwurzel, das porös war. Der Kern der Geschichte: Bäume ziehen Wasser aus tiefen Bodenschichten an, geben aber einen Teil des Wassers in oberflächlichen Bodenschichten ab. Davon profitieren die weniger tief verwurzelten Pflanzen, die in der Nähe des Baumes wachsen. Dies kann vor allem in Zeiten extremer Hitze und Trockenheit einen großen Unterschied machen.

 

 

Bomen bufferen droogte en hitte en comperseren weersextremen door klimaatverandering

© John Kempf, johnkempf.com

Bäume pflanzen auf Domain Aldenborgh

Die Sommer 2019 und 2020 waren aufgrund der Trockenheit und Hitze auch eine große Herausforderung für unsere Domäne. Wie in Deutschland hatten wir erhebliche Sonnenbrandschäden. Die vielfältigen Vorteile, die das Arbustum bietet, haben uns überzeugt, im Frühjahr 2020 neben unserem bestehenden Weinberg einen zu pflanzen. Wir entschieden uns schließlich für die Türkische Hasel wegen ihrer Klimabeständigkeit, ihres geraden, durchgehenden Stammes ohne Bodenaustrieb, ihres schnellen Wuchses und ihrer Fähigkeit zum Einkürzen. Unser Ziel ist es, die Bäume in Form einer Kulgelakazie zu beschneiden, damit die Trauben mit einer Erntemaschine geerntet werden können. Wir werden wie üblich Stahldraht verwenden, um zwischen den Bäumen zu ziehen. Die Trauben wachsen also nicht in die Bäume, sondern wachsen auf moderne Weise zwischen dem Draht. Die Bäume müssen jedes Jahr beschnitten werden, aber dieses organisches Material kann vor Ort kompostieren und hat deswegen einen positiven Einfluß auf unseren Weinberg. Auf drei Hektar haben wir 1800 kleine Bäume gepflanzt und die meisten Reben stehen nun auch.

Wir sehen das Arbustum als logischer nächster Schritt zu einem noch naturverträglicheren Anbau, bei dem die Artenvielfalt durch die waldreiche Umgebung steigt. Kurzum, eine weitere Verfeinerung unserer Bio-Weindomäne.

Und jetzt hoffen wir auf schnelles Wachstum!

Onze Arbustum, de enige biologische Nederlandse boomwijngaard, aanplant met Turkse hazelaar